HomeSchilddrüsenerkrankungen: Überfunktion bei der Katze, Unterfunktion beim Hund

Schilddrüsenerkrankungen: Überfunktion bei der Katze, Unterfunktion beim Hund

Warum diese Diagnosen oft spät gestellt werden & Therapieoptionen, Monitoring, Nebenwirkungen

Die Schilddrüse produziert Hormone, die den Stoffwechsel, das Wachstum und viele Körperfunktionen steuern. Gerät sie aus dem Gleichgewicht, hat das weitreichende Folgen für den gesamten Organismus. Bei Katzen ist fast ausschliesslich die Überfunktion (Hyperthyreose) verbreitet, während Hunde in der Regel an einer Unterfunktion (Hypothyreose) leiden. Die Erkrankung bleibt oft gerade beim Hund lange unentdeckt, da die Symptome schleichend beginnen und leicht mit normalen Alterserscheinungen verwechselt werden können. Bei Katzen wiederum tritt leicht atypisches Verhalten auf, welches die Diagnose etwas vereinfachen kann.

Schilddrüsenüberfunktion bei der Katze

Häufigkeit und Ursachen

Die Hyperthyreose ist die häufigste hormonelle Erkrankung älterer Katzen. In den meisten Fällen liegt ein gutartiges Geschwulst, ein Adenom, der Schilddrüse zugrunde. Bösartige Tumoren sind deutlich seltener.

Typische Anzeichen

• Gewichtsverlust trotz gesteigertem Appetit

• Unruhe, Nervosität, vermehrtes Miauen

• Erbrechen oder Durchfall

• Herzrasen, erhöhter Blutdruck

• struppiges Fell, vermehrtes Trinken und Urinieren

Da viele Katzen im Alter natürlicherweise Gewicht verlieren, wird die Erkrankung oft spät erkannt. Die Nervosität und Unruhe können bei der Diagnose ausschlaggebend sein.

Diagnose

• Blutuntersuchung

• Ultraschall oder Szintigraphie bei unklaren Fällen

Therapieoptionen

• Radiojodtherapie: Zielt auf eine dauerhafte Zerstörung der überaktiven Schilddrüsenzellen – in der Schweiz nur in spezialisierten Kliniken möglich, jedoch die bestmögliche Behandlung.

• Medikamentöse Therapie: Lebenslange Tabletten oder Suspension (z. B. Wirkstoff Methimazol).

• Operation: Entfernung des veränderten Schilddrüsengewebes, heute eher selten.

• Diätfutter: Jodarme Ernährung kann in Einzelfällen helfen, ist aber nicht für jede Katze praktikabel.

Monitoring und mögliche Nebenwirkungen

• Regelmässige Blutkontrollen (alle 4–8 Wochen in der Einstellungsphase, später alle 3–6 Monate).

• Medikamente können Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit, Erbrechen oder Leberprobleme verursachen.

• Auch Nierenwerte müssen im Auge behalten werden, da eine Hyperthyreose eine vorbestehende Nierenerkrankung verschleiern kann.

Schilddrüsenunterfunktion beim Hund

Häufigkeit und Ursachen

Die Hypothyreose ist eine der häufigsten hormonellen Erkrankungen beim Hund, betrifft meist mittelalte bis ältere Tiere. Ursache ist in der Regel eine Zerstörung der Schilddrüse durch Autoimmunprozesse.

Typische Anzeichen

• Gewichtszunahme trotz normalem oder reduziertem Futter

• Antriebslosigkeit, vermehrtes Schlafen

• Kälteempfindlichkeit

• stumpfes Fell, Haarausfall, Hautprobleme

• langsamer HerzschlagViele dieser Symptome entwickeln sich langsam und werden leicht als „normales Altern“ abgetan.

Diagnose

• Blutuntersuchung

• Wiederholung der Tests, da Werte schwanken können

• Ausschluss anderer Erkrankungen, die ähnliche Symptome zeigen

Therapieoptionen

• Medikamentöse Substitution: Lebenslange Gabe von Schilddrüsenhormon (Levothyroxin) in Tablettenform.

• Die Einstellung der Dosis erfolgt individuell und wird nach Körpergewicht und Blutwerten angepasst.

Monitoring und mögliche Nebenwirkungen

• Kontrollbluttests ca. 6–8 Wochen nach Therapiebeginn, später alle 6–12 Monate.

• Exaktes Einhalten der Medikamentengabe ist entscheidend.

Warum die Diagnosen oft spät gestellt werden

• Schleichender Beginn: Symptome treten über Monate bis Jahre auf.

• Verwechslung mit Alterserscheinungen: Gewichtsverlust bei Katzen und Gewichtszunahme bei Hunden, Müdigkeit oder Verhaltensänderungen wirken unspezifisch.

• Individuelle Unterschiede: Nicht jedes Tier zeigt alle klassischen Anzeichen.

Daher sind regelmässige Blutuntersuchungen im Alter die wichtigste Massnahme zur Früherkennung.

Alltagstipps für Halterinnen und Halter

Bei Katzen mit Hyperthyreose

• Medikamente immer zur gleichen Zeit geben, nach Absprache mit der Tierarztpraxis mit oder ohne Futter.

• Auf Veränderungen im Gewicht achten – regelmässig wiegen (z. B. 1× pro Woche).

• Blutdruckkontrollen ernst nehmen, da viele hyperthyreote Katzen Bluthochdruck entwickeln.

Bei Hunden mit Hypothyreose

• Tabletten möglichst immer zur gleichen Zeit geben, am besten nüchtern oder nach Rücksprache mit der Tierarztpraxis.

• Gewicht und Energielevel dokumentieren – kleine Fortschritte motivieren und erleichtern die Kontrolle.

• Fell- und Hautzustand beobachten; Verbesserungen treten oft erst nach einigen Wochen auf.

• Hund sanft aktiv halten – Bewegung fördert Stoffwechsel und Wohlbefinden.

Fazit

Schilddrüsenerkrankungen sind bei Hund und Katze häufig, werden aber oft erst spät erkannt. Dabei gilt: Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser lassen sich Folgeprobleme verhindern. Mit einer konsequenten medikamentösen Therapie, regelmässigem Monitoring und aufmerksamer Beobachtung durch Halterinnen und Halter können betroffene Tiere trotz chronischer Erkrankung ein langes, gutes Leben führen.

Inhalt von Medi-Vet geprüft.

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